Die Ortsgeschichte von Birkenfeld

 

Das werrafränkische Dorf Birkenfeld (Birchinfelde) liegt nah bei Hildburghausen, am Fuße des Stirnberges. Seine älteste Urkunde datiert vom 07. Oktober 1814. Reginolt eignet dem Kloster Fulda unter Abt Ratgar von seinen Eltern Varecho und Waltrade ererbte Besitzungen im Gau Grabfeld in der "Birkenfelder Mark" (in marcu Birdinafeldono in ibsis campis) zu. Diese Urkunde gilt leider nicht als Ersterwähnung von Birkenfeld, da Landschaftsbezeichnungen "Mark" sich nicht auf einen Wohn- oder Siedlungsplatz beziehen (Staatsarchiv Weimar). Nach einer älteren Datierung von 860, die nach neuestem Stand aber zwischen 802-817 liegt, finden wir die nächste Urkunde von Birkenfeld. Graf Erpho vermacht dem Kloster Fulda unter dem Abt Ratgar (Amtszeit 802-817) seine Besitzungen u.a. zu Herpf, Berkach, Marisfeld, Eisfeld und in Birkenfeld (Birchinfelde) und weitere dem Hl. Kilian zu Würzburg in Thüringen und in Grabfeld. Diese Urkunde gilt als maßgebliche Urkunde für die Ersterwähnung von Birkenfeld 817. Weitere Urkunden und Ortsbezeichnungen finden sich im Saalbuch, im Urbarium, in den Henneberger Urkundenbüchern sowie in den Lehnsbüchern der Grafen von Henneberg. Das ursprüngliche Dorf war ein Doppeldorf rechts und links der Werra (Zwirchen-Birkenfeld). Es umfasste 24 Huben (Gehöfte) und die Ebenretters sowie die Anspannsoder Schleifmühle. Später im 19. Jahrhundert kamen die Charlotten-Karolinburg dazu. Bis ca. 1830 war es ein reines Bauerndorf, wobei die Bauern meist Pächter waren. Ihr Leben war nicht leicht und was sie erarbeiteten ging auch noch meist für Zins, Lehnsgeld, Zehnt und für andere Abgaben drauf. So blieb nur wenig zum Leben. Dazu kam noch Fron, Fuhrdienst und Anspanndienste.

Die 24 Huben teilten sich wie folgt auf:

die Huben 1,8,9,12,14,15 gehörten den Herren von Heßberg,

die Huben 2,11,20,24 dem Hildburghäuser Gotteskasten (sprich der St. Lorenzkirche),

die Huben 5 und 6 der Schwemmleinsspende,

die Huben 21 und 22 der Virnspende und somit auch der St. Lorenzkirche als Gemeindelehen,

der Huben 4 war Eishäuser Pfarrlehen,

der Huben 10 gehörte der Schleusinger Komturei.

Nur der Huben 3 war dem Amt Hildburghausen und somit Zins- und Lehnsfrei.

Freigehöfte waren die von Schwemmlein, Bufler, Bötzinger von Haus- und Wagenschwanz. Diese Hubeneinteilung blieb bis ca. 1840, ausgenommen die Stiftungen. Von 1340-1660 galt die Gemeinde als Wustungsgemeinde, das heißt ihre Bewohner wohnten nicht im Dorf sondern vor Hildburghausen z.T. am Spittelbach oder auf der Capell (Oberer Kapellenstieg). Nachdem die Stadt Residenzstadt wurde (ca. 1685), verfügte der Herzog die Wiederbesiedlung des Dorfes, ansonsten gingen die Besitzungen verloren. So siedelten sich die Birkenfelder wieder an, aber nur links der Werra, das Dorf rechts der Werra war verfallen. Dieser Ortsteil konnte bei der Verlegung der Abwasserleitung 1988 nachgewiesen werden. Bei der Ausgrabung fand man Grundmauern von drei Häusern, zahlreiche Scherben und andere Fundstücke, die im Stadtmuseum zu bewundern sind. Damit wurde die geschichtliche Duosität des Ortes bewiesen. Zu den Ersten die nach dem 30jährigen Krieg, der starke Verwüstungen anrichtete, den Ort wieder aufbauten, gehörten Georg Wagenschwanz und von Haus. 1697 errichtete Valentin Gutjahr den ersten Neubau in Birkenfeld. Bis dahin lebten nur Wittwen im Dorf. Johann Friedrich Glimper, seines Zeichens Gerichtsschöffe und Syndicus sowie Oskar Korneffer veranlassten 1683 das von der Wustung Birkenfeld eine neue Dorfordnung aufgestellt wurde, die auf das sogenannte "Neu Dorfbuch" von 1663 fußte. Durch das Dorf führten zwei bedeutende Wege des Mittelalters, der Wanderweg von Franken nach Thüringen und der Reiseweg der Turn- und Taxischen Felleisenreiter von Nürnberg nach Hamburg. Nicht weit vom alten Backhaus am Kreuzweg liegt der "Judelsrain", dieser hat nichts mit Juden zu tun, sondern war im Mittelalter die Ortsgerichts-, Ting- und Abrechnungsstätte. Hier tagte das sogenannte "Markungsgericht". Gerichtstag war der St. Urbanstag der 25. Mai. Bei schlechtem Wetter tagte das Gericht auf dem Rathaus zu Hildburghausen. Hier am St. Urbanstag wurde über das vergangene Jahr von den Dorfmeistern Rechnung gelegt, mit den Pächtern abgerechnet, Dorfangelegenheiten besprochen und Gericht gehalten über Verfehlungen. Anwesend waren zu diesen "judicium säcularum" der Centgraf von Heldburg, 1. Schöpfe, der Dorfmeister, ein Vierer als Amtspersonen. Nach dem Gericht und anderen Verhandlungen gab es ein großes Mahl. Dazu wurde ein Kalb geschlachtet und es gab " Bier und Wecken". Hier ist zu bemerken das Birkenfeld dem Bierzwang des Amtes Veilsdorf unterlag und dort nur sein Bier beziehen durfte. So war der St. Urbanstag neben der Kirmes die großen Festtage des Dorfes. Der Bierzwang wurde erst 1780 in einen Vergleich mit der Herzogin Sophia Albertina und dem Amt Veilsdorf abgelöst. Im Jahre 1853 hatte der Ort 328 Einwohner (60 Familien) die vorwiegend von der Landwirtschaft lebten. Aber schon 1848 änderte sich auch die Struktur des Dorfes, es gab mehr Freizügigkeit und Gewerbefreiheit. Die Eisenbahn wurde gebaut, die Irrenanstalt, in Hildburghausen entstanden kleine und mittlere Betriebe, wo auch Dorfbewohner Arbeit fanden, neben der Landwirtschaft. So wurde u.a. das sogenannte "Nachbarschaftsgeld" aufgehoben das vorher in Birkenfeld 35 Gulden betrug. Dies mussten zahlen wer in den Ort ansiedelte, einheiratete oder den Ort verließ. Das Geld kam dem Ort zugute. Die wichtigsten Gebäude im Ort waren das Backhaus, die Gasthäuser "Zur Weintraube" sowie zum "Ostindischen Schiff", welches von dem Weltreisenden Johann Caspar Röhrig begründet wurde, der per Schiff 1768-1776 die Welt bereiste und darüber ein Buch schrieb. Dieses Buch war sogar einige Zeit Unterrichtsbuch an der Schule. Daneben noch Schule und das Gemeindehaus. 1871 zählte das Dorf mit Ebenrettersmühle, Ziegelhütte, Charlottenburg (Bevedere), Carolinburg und Schleifmühle 405 Einwohner in 61 Gebäuden, mit einem ansehnlichen Viehbestand, Wald- und Flurbesitz. Es hatte sich seit seinem Neuanfang sehr gut entwickelt. Bei der II. Kreistierschau des Kreises Hildburghausen im Juli 1885 waren auch die Birkenfelder beteiligt. Wenn auch die großen Preise an die Güter wie Heßberg, Billmuthausen und Bockstadt gingen, so wurden auch einige Birkenfelder ausgezeichnet. So u.a. für die besten Kälber H. Röhrig mit einem Milcheimer und Lorenz Rittweger mit 5.-Mark. Für die besten Zugochsen: Caspar Keßler mit Striegel und Kartäsche. Für die beste Sau: Louis Ullrich mit 5.- Mark und für beste Hondanhühner: Adolf Rittweger mit 10.- Mark. Immerhin Anerkennung für die landwirtschaftlichen Leistungen. Zwischen 1854 und 1866 wanderten viele Bürger nach Amerika aus. Darunter waren auch Birkenfelder u.a.: Katharina Geisthardt mit 3 Kindern, Johann Heinrich Popp, August Müller und Johann Georg Bärwind mit Familie, weitere folgten noch 1868 drei Familien und zwei Personen. Ursachen waren meist Arbeitslosigkeit, Not, Schulden, und Flucht vor dem Militärdienst aber auch Abendteuerlust und Hoffnung auf ein besseres Leben. 1866 erhielt Birkenfeld eine Schule, die bis 1950 bestand. Am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden der Kriegerverein und der Turnverein. Im 20. Jahrhundert noch ein Gesangsverein und ein Radfahrerverein. 1902 erfolgte das erste Stirnbergfest, das sich zu einem bedeutenden Gau- und Turnfest entwickelte. Neben der Landwirtschaft, gab es auch Handwerk in dem Ort. Schuhmacher, Schmied, Tüncher, Schreiner und Zimmermann. Aber auch Angestellte bei der Eisenbahn, in der Nervenklinik und in der Kittfabrik. Die Birkenfelder waren auch Gastgeber für die Studenten des Technikums. Diese brachten so manche Mark in den Ort. Ja, dem Dorf ging es gut. Aber dann kam der I. Weltkrieg und 84 Birkenfelder mussten ins Feld, 14 ließen ihr Leben. 1923 versuchte man Birkenfeld zwangsweise einzugemeinden, was wegen großer Proteste nach einem Jahr wieder aufgehoben wurde. Ohne Proteste erfolgte die Eingemeindung dagegen 1974 nach Hildburghausen. Hier ging alles seinen sogenannten "sozialistischen Gang". Zurück aber nun zur Weimarer Republik. Den Birkenfeldern ging es gut. Aber auch hier erstarkte die NSDAP, nach dem Machtwechsel wurde es dafür belohnt. Birkenfeld erhielt einen der ersten NS-Kindergärten 1938. Es folgten die Jahre des III. Reiches und des II. Weltkrieges. Auch hier mussten wieder Birkenfelder in den Krieg und verloren ihr Leben. So war 1945 für Birkenfeld der Krieg zu Ende. Eine neue Ära begann. 1949 hatte Birkenfeld 473 Einwohner. Das Dorf entwickelte sich zu einem "sozialistischen Dorf". Stück für Stück verloren die letzten Bauern ihre Selbstständigkeit. 1959 wurde die Schule geschlossen, ab 1960 mussten alle Kinder nach Hildburghausen in die Schule. 1960 wurde die LPG gegründet. Ab 1961 wurde es noch schlechter, Birkenfeld wurde Sperrgebiet bis 1972. Nun konnte man Birkenfeld nicht mehr so einfach besuchen. Alle Besucher brauchten einen Passierschein von der Polizei. Damit gingen auch einige alte Traditionen ein. Erst mit der Zurückversetzung des Sperrgebietes 1972 wurde der Ort wieder frei zugänglich. Auch für Birkenfeld kam 1989 eine Wende und ein neuer Zeitabschnitt begann. Natürlich geschah in Birkenfeld zwischen 1933-1989 noch viel mehr Wichtiges, Interessantes und Erzählenswertes. Vielleicht schafft es der Heimatverein bis 2017 eine umfassende Chronik zu erstellen, wobei jeder eigentlich mithelfen kann, indem er den Heimatverein unterstützt mit Hinweisen, Bildern, Spenden etc. Der Anfang wurde gemacht und dieser Vortrag ist nur ein kleiner Hinweis dafür.

(Autor unbekannt)